Nahe dem bekannten Heiligen Grab in Görlitz und unterhalb des städtischen Friedhofs neben der Nikolaikirche befindet sich der Nikolaifriedhof - eine der schönsten historischen Friedhofsanlagen in Deutschland.
Wertvolle Grabmale aus barocker und klassizistischer Zeit sind hier noch sehr gut erhalten.Der Nikolaifriedhof - die älteste Friedhofsanlage der Stadt (1305 erstmals erwähnt), wurde in der Art eines Campo Santo angelegt, das heißt, das die Einfriedung der Anlage weniger durch eine geschlossene Mauer erfolgte, sondern durch zusammenhängende Grufthäuser.
Mit seinen ältesten Grufthäusern aus der Renaissance, den Mausoleen und Grabmalen aus dem Barock und den zahlreichen klassizistischen sowie frühhistoristischen Grabmalen, Epitaphien und Schmiedearbeiten gilt die architektonische und gärtnerische Anlage als Kostbarkeit der Görlitzer Kunst- und Kulturgeschichte.
Die Schriftstellerin Ricarda Huch hat ihn - zu Recht - als einen der schönsten Friedhöfe Deutschlands bezeichnet. Seine wohl bekannteste Grabstätte ist die des Schuhmachers und Theosophen Jakob Böhme.
Hier findet sich aber auch das Grab von Christiane Friederike Wilhelmine Herzlieb, auch genannt Minna oder Minchen. Goethe, um die Neigung zu einer Muse niemals verlegen, lernte die Pflegetochter des Jenaer Buchhändlers Karl Friedrich Ernst Frommann bereits in deren Kinderjahren kennen. Als Minna 18 Jahre alt war, ließ Goethe Empfindungen für sie erkennen, die er selber für mehr als billig hielt, wie er seiner Ehefrau Christiane freimütig gestand. Minchen aber war dies vermutlich kaum bewusst, wurde sie doch gleichzeitig von jüngeren Männern wegen ihrer auffallenden Schönheit umschwärmt, so von dem Lyriker Zacharias Werner und dem Philologen Friedrich Wilhelm Riemer.
Unvermeidliche Fehlschlüsse früherer Goetheforscher aus einigen Minchen gewidmeten Sonetten führten zu der Annahme einer leidenschaftlichen Liebestragödie zwischen Dichter und Pflegetochter. Wahr ist, dass die Ottilie in den Wahlverwandtschaften gewisse Züge von Minna Herzlieb trägt.
Wie auch immer - heute ist der Nikolaifriedhof ein Idyll, lädt zum besinnlichen Spaziergang, diente auch bereits als Theaterbühne für die Inszenierung Wenn der Gottesacker blüht. read more