Jeder von uns hat wohl Plätze und Orte in seiner Heimatstadt, die ihn geprägt haben und die er liebt. An die er gern denkt, viele Erinnerungen hat, und an die er gern zurückkehrt.
Für mich ist es bis heute das Fußball-Stadion am Millerntor, die Heimat vom FC St. Pauli.
Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich in der Wohlwillstraße mitten auf dem Kiez gewohnt und gelebt. Bei uns zu Hause ging es immer zu wie im Taubenschlag. Wir drei Brüder und mein Vater hatten immer viel Besuch. Es gab kaum Regeln - außer das sich jeder gut zu benehmen hatte - und es wurde viel geredet und geschimpft. Aber niemals ein schlechtes Wort über Helmut Schmidt, den Beatles, Cassius Clay - später Mohammed Ali - und Pauli.
Ich erinnere mich nicht mehr so genau wie der Verein damals gespielt hat, bei einem Sieg wurde immer viel gelacht und alte Geschichten erzählt. Bei einer Niederlage gab es einen Satz, den ich heute noch gern zitiere: Als Pauli-Fan musst du leidensfähig sein.
Meine ersten Erinnerungen an das Millerntor sind aus dem Jahr 1966. Als lütter Butsche galt mein Interesse damals nicht den Männern in den kurzen Hosen, die nur einen Ball zum spielen hatten, sondern leeren Bierflaschen.
Die standen überall rum, oder die erwachsenen Zuschauern - die fast immer nur am meckern waren - drückten sie uns Kindern in die Hand. Das abgefahrene an dieser Situation war, dass wenn man die Flaschen abgab, wir dafür Geld bekommen haben. Richtiges Geld, das wir in unseren Hosentaschen sammelten und Tage später noch für Schnobkram - also Süßigkeiten - in verschiedenen Läden unserer Straße ausgegeben haben. Tjawir haben das Schlaraffenland kennengelernt.
Als ich etwas älter wurde, beschäftigte ich mich auch mit dem Spiel. Mein Freund Klaus spielte bei Teutonia 10 und überredete mich, dort auch einzutreten. Er war der Star der Mannschaft.
Wir waren 12 Jahre, und wir waren uns sehr ähnlich. Ich habe bis heute nicht begriffen warum er Fußballspielen konnte und ich nicht. Klaus hat noch viele Jahre später immer gesagt, dass ich damals ein Tor geschossen habe, aber er hat immer verschwiegen, dass es im Training war.
Als ich ausgetreten bin und meine aktive Laufbahn als Fußballer beendet habe, sagte der Trainer: Fußballspielen ist nicht deine Welt, aber deine große Klappe und deine Sprüche werden wir vermissen. Er mochte mich!
Inzwischen sind viele Jahre vergangen, aber das Millerntor nimmt noch immer einen wichtigen Platz in meinem Leben ein.
Wir drei Brüder haben nur zwei Dauerkarten, weil leider meistens einer von uns nicht zum Spiel gehen kann. Mittlerweile sind wir in einem Alter, in dem wir uns immer wieder darüber freuen, dass es Sitzplatzkarten sind. Sprüche wie : Sitzen ist fürn Arsch bringen uns nur zum lächeln, wenn bei einem Tor für Pauli die vollen Bierbecher auf den Stehplätzen in die Luft fliegen
Wenn ich auf meinem Platz sitze und neben mir mein großer Bruder, liebe ich es, zu beobachten, wie er die Spieler verbal zusammenfaltet, wenn sie mal wieder unsere Leidenfähigkeit strapazieren. Er beherrscht das in einer Lautstärke, die man ganz sicher noch auf dem Rasen hört.
Wenn ich mit meinem mittleren Bruder ein Spiel besuche, und das Spiel uns langweilt, reden wir über die alten Zeiten, und das glänzen in seinen Augen ist kaum zu beschreiben.
Das aus mir kein guter Fußballspieler geworden ist, finde ich nicht wirklich schlimm. Ich komme ja auch so auf meine Kosten!
Ach jaein guter Sänger ist aus mir leider auch nicht geworden, aber jedes Mal, wenn ich am Millerntor mit einigen tausenden Zuschauern you never walk alone singe, finde ich das auch nicht schlimm. Ich genieße meine Gänsehaut und denke so bei mirwie schön, dass es Orte gibt, die ich lieben kann und die mich geprägt haben!! read more