Als ich zum Valentinstag meine Liebste ausführen wollte, fiel unsere Wahl auf das La Grappa, was sich einerseits als große Enttäuschung heraus stellte, andererseits mir sehr dabei half, Blender von Könnern zu unterscheiden. Gewöhnlich als Adresse mit einer guten Weinempfehlung gehandelt, erwies sich die Weinauswahl des Kellners für den offenen Roten zunächst als verkorkt. Eine weitere Flasche des gleichen Weines schien es nicht zu geben. Die Alternative unterschied sich jedoch beträchtlich von der ersten Empfehlung. Wie eine Montepulciano-Sangiovese Cuvee beide Gerichte gleich begleiten soll, war bei deren Unterschiedlichkeit nicht zu ersehen. Das machte unserer guten Laune jedoch noch keinen Abbruch.
Da unser Hunger nicht übermäßig und die Preise im LA Grappa mehr als gepfeffert sind, entschieden wir uns diesmal für nur einen Gang. Wir wählten das Pastagericht Angnolotti Aragosta Ufos mit Langustenfüllung, mit einer Zucchini & Thunfischsauce und das Fleischgericht "Petto dAnatra alla mostarda di Frutta Entenbrust auf Traubensenf . Als Beilagen servieren wir Puree von Karoffeln mit Steinpilzen und Artischocken alla Romana".
Das Ergebnis war belanglos bis ärgerlich. Die Anglolotti schienen mit irgend etwas gefüllt zu sein, dessen genau Herkunft man nicht einmal erahnen konnte. Meeresfrüchte oder gar Langusten waren jedenfalls nicht zu schmecken. Dafür schwammen die Pasta-Ufos in einer überladenen Sahnesauce ohne Pfiff. Die Breite und Schwere dieses Opulentums war allenfalls vom Parmesangusto unterbrochen. Ein Pastagericht für 26 ,- EUR sollte wenigstens den Eindruck einer möglichen Sterneküche machen können.
Ein noch qualvolleres Bild bot die Entenbrust. Diese schwamm in einer übersäuerten, gänzlich ungebundenen Suppe, gespickt mit Scharlottenspalten. Das Traubenarome war blas. Reizvolle Gewürzaromen völlig abwesend. Die Ente, von der Größe eher als eine weibliche, also zartere Brust, zu vermuten, hatte zwar eine feine Hautröstung, ihre Geschmackshaptik machte aber jeder schnell gebratenen und erst gar nicht abgeruhten männlichen Brust alle Ehre. Zäh wäre ein zu grobes Urteil, da sie immerhin halbwegs rosa belassen war, aber derb konnte man sie nennen. Die beigelegte Artischocke war in einem dermaßen übel schmeckenden Öl gebraten, dass selbst die wiederum üppige Zitronenbeigabe nichts mehr retten konnte. Das Steinpilz-Kartoffel Pürree, gute Hausmannskost, war die einzige Harmonie zum Wein. Dies war für 29 ,- EUR die bisher schlechteste Ente, die ich gegessen habe.
Nach der Reklamation erschien der Chef zunächst bemüht, diesem armseligen Eindruck mit großer Geste durch ein Weinpräsent beiseite wischen zu wollen. Die großspurig übergebene Flasche Wein, erwies sich zu allem Überfluss aber als eine einfache Großhandelsware. Bei der excelenten vorhandenen Weinauswahl und einer Gesamtrechnung von 90,EUR eine Unverschämtheit.
Dieser Kaiser trägt keine Kleider!!! read more