Man hört so einiges über die Aktivitäten im Buddhistischen Haus. So entschloss ich mich bei meinem letzten Besuch in Berlin spontan, nach Frohnau zu fahren, wo das von Tissa geleitete Meditieren für Anfänger unter Insidern inzwischen einen gewissen Kultstatus erlangt hat.
Ich gebe es zu, ich meditiere nicht sehr häufig, würde mich eher als Anfänger bezeichnen. So ist es zu erklären, dass ich die richtige Technik zum Aufrechterhalten der Konzentration über einen längeren Zeitraum noch nicht gefunden habe. Ich hatte kurz mit Tissa telefoniert, und er bot mir großzügig eine persönliche Unterweisung an. 'Machst Du kleine Spende!', sagte er tiefsinnig am Telefon.
Endlich in Frohnau angekommen, quälte ich mich die lange Treppe hinauf - vielleicht sollte ich wirklich auf meinen Freund hören und mit dem Rauchen aufhören - und betrat schließlich den Aufenthaltsraum im Erdgeschoss des Hauses, wo Tissa bereits mit einem schicken Wickelrock und einem Unterhemd bekleidet gerade dabei war, sein Essen zu sich zu nehmen. Tissa pantschte munter in einem undefinierbaren Gemüsegericht mit Reis und bot mir an, mich auch zu bedienen. Nun bin ich nicht empfindlich, doch das Essen mit den Händen, das wohl in Tissas Heimat eine Gewohnheit ist, wirkte auf mich nicht wirklich attraktiv, zumal sich Tissa inzwischen das ganze Hemd vollgesabbert hatte. Nun ja, fremde Länder, fremde Sitten. Ich war dann noch ein wenig überrascht, die einzige Schülerin zu sein. Doch Tissa verstand es mit seiner großen Eloquenz meine Zweifel zu zerstreuen. Genug der Äußerlichkeiten, Tissa hat sich schließlich nicht auf den weiten Weg aus der Dritten Welt zu uns gemacht, um uns Tischmanieren beizubringen.
Als Tissa sich seine Hände abgeleckt hatte, wiederholte ich noch einmal meine Probleme mit der Konzentration. Als hätte er meine Frage geahnt, hatte er schon die Lösung parat. 'Du musst alles vergessen, nur auf die Nase schauen, nur die Nase! Jetzt kannst Du Spende machen oben in die Box mit die Umschlag.' war seine kurze und einprägsame Unterweisung. Ja, jetzt wurde mir einiges klar. Tissa erzählte nun noch ein wenig aus seinem Leben. Colombo, Düsseldorf, alles futsch, dann Brandenburg, wieder tutto kaputto, und jetzt Berlin, Buddha, Dhamma, Solar, oder so ähnlich.
Anschließend begleitete mich Tissa noch in den Tempel, um mir seinen Weg der Praxis zu zeigen. 'Nicht bewegen, nicht denken, nur sitzen!' und als Höhepunkt der Unterweisung 'Hör einfach auf zu atmen!' Ja, genau das war es. Es ist so naheliegend und einfach, Probleme zu lösen. Noch bevor ich es richtig realisieren konnte, hatte sich Tissa wieder verzogen. Ich blieb noch ein wenig alleine im Tempel sitzen, bevor ich mich wieder auf den Weg machte. Abends reflektierte ich die Begegnung noch einmal und fragte mich, warum das Buddhistische Haus von der Deutschen Buddhistischen Union, dem Dachverband aller Einrichtungen und Organisationen, die den Buddhismus in Deutschland offiziell repräsentieren, ausgeschlossen werden musste. read more