Meine Frau und ich gehen seit Jahren gern Sushi essen. An einem Samstag im November 2010 besuchten wir das China-Restaurant Rondell in der Walter-Stoecker-Straße in Rostock. Ich war auf dieses aufmerksam geworden, da es auf einem großen Werbebanner damit warb, auch Sushi anzubieten, und zwar im Buffet zusammen mit anderen asiatischen Gerichten zum Pauschalpreis.
Wir trafen gegen 20:45 ein. Etwas verwunderlich war schon, dass in dem sicher einige Dutzend Personen fassenden Gastraum - zur nahezu besten Zeit der Woche - kein einziger weiterer Gast zu sehen war.
Wir bestellten einen Jasmintee laut Karte. Den die Bedienung nicht liefern konnte, da er gerade nicht da sei. Kann passieren. Weiterhin zwei Buffet-Essen und zwei heiße Sake.
Auf dem Buffettisch fanden wir dann auch das Sushi. Zwei Sorten: Maki mit Surimi und etwas Gemüse darin sowie Nigiri-artige Stücke (Reis, belegt mit einem halben Garnelenschwanz mit etwas Sesam drumherum). Von Ingwer und Wasabi keine Spur.
Auf höfliche Nachfrage von uns versprach die davon fast belästigt wirkende einzige Mitarbeiterin, ohne ihr Telefonat mit ihrem Schnurlostelefon zu unterbrechen, dass wir dies erhalten würden. Wir warteten etwa 10 Minuten am Tisch. Nichts geschah. Daraufhin ging ich zum Tresen, um die Mitarbeiterin höflich daran zu erinnern. Ohne mich eines Blickes zu würdigen und ohne ihr Dauertelefonat zu unterbrechen, hob sie die Sushi-Schale aus dem Buffettisch, um darunter ein Schälchen mit Wasabi und ein Schälchen mit bräunlich und überaltert aussehendem Ingwer hervorzuholen und genervt auf das Buffet zu knallen, um anschließend selenruhig weiterzutelefonieren.
Zusammen mit der Soja-Soße hatten wir nun alles, um anzufangen. Ein erster näherer Blick auf das, was wir an Sushi auf unseren Tellern hatten, machte uns skeptisch. Die Maki wirkten trocken, dafür glänzen die Garnelenschwanzhälften teilweise verdächtig schmierig. Die ersten Bissen machten klar, dass der Reis teilweise schon so trocken war, dass er knusperte. Die Oberfläche der Maki war in der Tat insgesamt angetrocknet. Das Sushi muss also schon seit geraumer Zeit auf dem Buffet gelegen haben. Aus diesen Gründen ließ der Geschmack entsprechend zu wünschen übrig.
Mittlerweile war auch der Sake an den Tisch gebracht worden. Erfreulich heiß. Erstaunlicherweise entstieg den üblichen Sake-Gefäßen kein typischer Sake-Duft, ja praktisch nahezu gar kein Geruch. Die Verkostung ließ uns zu dem Schluss kommen, dass dieser Sake sehr stark mit Wasser gestreckt worden war.
Über Geschmack lässt sich natürlich streiten, aber die chinesische Suppe, die wir ebenfalls kosteten, schien massiv überwürzt. Warum wohl?
Enttäuscht von Angebotsbreite und insbesondere Qualität des Sushi und deshalb weiterhin nicht satt, probierten wir auch von den anderen chinesischen Gerichten auf dem Buffet, die nur lauwarm waren und deren Fleisch trocken wirkte.
Die Bedienung hatte sich mittlerweile zwei Tische weiter gesetzt und erfreute uns nun durchgängig mit Geräuschen vermutlich aus ihrer elektrischen Rechenmaschine. Sie machte wohl ihre Abrechnung. Dafür latschten dann Köche mit Kisten, wohl aus der Küche kommend, durch den Gastraum.
Um auszuschließen, dass wir nicht nur zufällig überalterte Sushi-Stücke gegriffen hatten, sahen wir uns die Sushi-Schale am Buffet abschließend näher an. Was wir nun sahen, verschlug uns die Sprache und löste Übelkeit aus: Mindestens zehn winzige Fliegen krabbelten auf den Sushi-Stücken herum und flogen auf, sobald man sich näherte. Wir identifizierten diese als Fruchtfliegen. Wir baten die Kellnerin zu dieser Schale und zeigten ihr unsere Entdeckung. Völlig unbeeindruckt entgegnete sie (nahezu wörtliches Zitat): Ja, wir haben manchmal eben mehr Fliegen als sonst. Und: Die Deutschen meckern immer!
Wir bezahlten und verließen schockiert das Restaurant. Ohne unerwähnt zu lassen, dass wir diesen Vorgang der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wollen.
Dies war mit Abstand der gruseligste Restauranttest, den wir je machten. read more