Münchens kleinste Bar - klein, fein und zu Unrecht verkannt
Wer in München gerne außergewöhnliche Cocktails trinkt, sollte den Barroom auf dem Schirm haben - oder besser: rechtzeitig reservieren. Denn ja, es ist vermutlich die kleinste Bar der Stadt, und genau das macht ihren Charme aus. Was für manche ein vermeintliches Manko ist (die Größe), ist für Kenner ein Zeichen von Qualität und Persönlichkeit. Hier zählt jede Minute und jeder Platz - im wahrsten Sinne.
In einigen Online-Rezensionen ist von unfreundlichem Personal die Rede - ein Eindruck, den ich so ganz und gar nicht teilen kann. Wer sich jedoch die Mühe macht, hinter die Kulissen der Gastronomie zu blicken, wird schnell erkennen: Die Herausforderungen sind enorm, gerade für so kleine, inhabergeführte Bars. Reservierungen, die ohne Absage verfallen, spontane Gruppen, die unangekündigt auftauchen und erwarten, dass irgendwo "doch noch was geht" - das ist für den Betrieb schlicht nicht tragbar.
Dass direkt beim Eintreten freundlich aber bestimmt gefragt wird, ob man reserviert hat, mag für ungeübte Barhopper ungewohnt wirken, ist aber vollkommen nachvollziehbar. In einem Raum, in dem 15 Leute die Kapazitätsgrenze fast schon überschreiten, kann ein scheinbar freier Stehplatz an der Tür schnell den gesamten Ablauf und vor allem den Abend anderer Gäste stören. Hier muss der Barkeeper nicht nur Gastgeber, sondern auch Türsteher, Zeitmanager und Mediator sein. Und dass dabei manchmal klare Worte nötig sind, ist keine Unfreundlichkeit - sondern Professionalität.
Kleiner Tipp: Reservieren und pünktlich erscheinen sind Basics, die jeder Gast hinbekommen sollte - und damit auch etwas zur Wertschätzung des Ortes und des Teams beitragen kann.
Was man dafür bekommt? Absolute Spitzenqualität in Sachen Cocktails. Der Barroom hat nicht nur eine kreative Karte, sondern auch das Talent, individuelle Wünsche geschmacklich perfekt umzusetzen. Die Drinks sind nicht nur handwerklich auf höchstem Niveau, sondern auch stilvoll serviert - und das stets mit einer ruhigen, konzentrierten Präsenz hinter der Bar. Emanuele, der Inhaber, hat über die Jahre hinweg viele erstklassige Barkeeper ausgebildet und ist damit nicht nur für München, sondern für die deutsche Barszene ein echter Gewinn.
Natürlich kämpft auch der Barroom mit dem allgemeinen Personalmangel - wie fast alle gastronomischen Betriebe. Dennoch: Der Anspruch bleibt hoch, und genau das macht den Besuch hier so besonders.
Fazit: Wer echte Barkultur erleben möchte, sollte diese kleine Perle respektvoll behandeln - dazu gehört auch, eine Abweisung nicht persönlich zu nehmen. Das ist keine Unfreundlichkeit, sondern ein notwendiger Teil des Konzepts. Wer das versteht, wird einen fantastischen Abend erleben - mit einem der besten Cocktails der Stadt in der Hand. read more