Am 4. August 2010 beschloß ich endlich mit 5 Freunden dieses Restaurant aufzusuchen. Ich, die ich 4 Jahre in der Türkei gelebt hatte, freute mich riesig über den Zuwachs eines türkischen Restaurants, also keiner Döner-Bude, in Leipzig. Endlich muß ich nicht immer selbst türkisch kochen, dachte ich......
Wir bestellten einen großen Teller mit gemischten Vorspeisen in warmer und kalter Ausführung und Tzaziki. Alles schmeckte nicht schlecht, ich war allerdings sehr enttäuscht, Humus schien aus der Dose zu kommen, Joghurt mit Spinat war mit Tiefkühlspinat und das in der Karte angekündigte Auberginenmus fehlte ganz. Die 2 gefüllten Weinblätter auf dem Teller waren leider auch Fertigprodukte aus einer Dose oder ähnlichem. Der Tzaziki hatte gar nichts mit dem Cacik zu tun, den man in der Türkei bekommt und wirkte wie ein knoblauchfreier Quark. Auf das Brot hatte ich mich besonders gefreut, kündete doch die Karte an, es sei eigens hausgemacht und werde frisch gebacken. Das was wir im Brotkorb hatten, war ein Fertigfladenbrot aus irgendeinem Supermarkt ein wenig aufgebacken. Nun, gerade bei den türkischen Vorspeisen erlebte ich selbst im Schnellrestaurant in Istanbul eine wahre Explosion an Geschmacksnoten und Frische, die blieb im Anatolia leider aus.
Wir bestellten danach Lammgerichte, ich Lammspieße. Das Fleisch war gut, aber leider kalt und dazu gab es zwar nicht schlecht schmeckendes Gemüse in Sahnesoße, so eine Mischung habe ich aber in der Türkei nie gesehen. Eine wahre Enttäuschung war der dazu gereichte Salat mit einem Senf-Fertig-Dressing. -Türkische Salate kenne ich nur frisch angemacht mit etwas Zitrone oder einem Granatapfelessig. Es wirkte alles in allem so, als ob die deutsche Ehefrau des Restaurantbesitzers gut gemeinte Versuche in der Küche unternehm.
Zum Abschluß bestellten wir Raki. den türkischen Anis-Schnaps. Nun nahm ich an, der würde, wie in der Türkei und türkischen Restaurants in anderen Städten üblich, mit einem Glas Wasser und Eiswürfeln serviert, das war allerdings nicht der Fall, wir mußten diese Dinge extra erfragen. Da wäre wahrscheinlich jeder Türke auf den Tisch gesprungen, denn ich habe nie einen Türken puren Raki ohne Wasser und Eis trinken sehen.
In der letzten Stunde kümmerte sich der zuständige Kellner/Besitzer? gar nicht mehr um uns, wir wurden nicht gefragt, ob wir vielleicht noch etwas trinken wollen, obwohl alle vor leeren Gläsern saßen, auch ein Tee oder Kaffee, wie anderswo üblich, wurde nicht angeboten. Wir waren die einzigen noch im Restaurant verbliebenen Gäste (22.30 Uhr) und hatten eher den Eindruck, wir verzögern den Feierabend.
Schade, alles in allem bleibt für dieses Restaurant nur zu hoffen, daß sie sich mit der Mittelmäßigkeit an dieser Stelle der Stadt halten können. Und wer schonmal in der Türkei war und die dortige Küche außerhalb einer Hotelkette kennenlernen durfte, wird sicher enttäuscht sein. read more